Einaxialer Druckversuch

Beim einaxialen Druckversuch wird ein gesättigter oder teilgesättigter, zylindrischer oder prismatischer Probekörper bis zum Bruch axial gestaucht. Dabei wird keine seitliche Verformungsbehinderung angesetzt (σ2/3 = 0). 

Die einaxiale Druckfestigkeit qu entspricht hier der maximal erreichten Spannung. Die ermittelte Druck-Setzungslinie erlaubt die Ableitung des E-Moduls zur Beschreibung des Spannungs-Dehnungs-Verhaltens. Die Prüfung erfolgt an bindigen Bodenproben nach DIN EN ISO 17892-7, an bindemittelverbesserten Proben nach TP BF-StB Teil B 11.1/3, an Gesteinsproben nach DIN 18141-1 oder an Festbeton nach DIN EN 12390-3.

Anwendungspotentiale

Aus der einaxialen Druckfestigkeit qu lässt sich für geringdurchlässige Bodenproben die undrainierte Scherfestigkeit cu berechnen. Sie dient oft der Einschätzung der Anfangsstandsicherheit des Baugrundes. Aus der Spannungs-Dehnungs-Beziehung kann das  Verformungsmodul Eu ermittelt werden. Daraus lassen sich Aussagen bezüglich der Sensitivität und Konsistenz der Probe ableiten. Für Gesteinsproben kann neben der Druckfestigkeit σU das Verformungsmodul E wahlweise als Tangenten- oder Sekantenmodul bis 50% der Bruchspannung oder als Durchschnittsmodul für den linearen Bereich bestimmt werden. Im Straßenbau sind einaxiale Druckversuche Teil der Eignungsprüfung von Boden-Bindemittel-Gemischen nach TP StB 11.

Anforderungen an den Probekörper

Bodenproben können ungestört, verfestigt, gestört oder aufbereitet geprüft werden. Aufgrund der fehlenden radialen Abstützung kann die Prüfung nur an standfesten (bindigen) Bodenproben durchgeführt werden. Die erforderlichen geometrischen und granularen Vorgaben orientieren sich an Art und Geometrie der Proben.

Technische Ausstattung

In unseren bodenmechanischen Laboren sind Prüfpressen verschiedener Größen und Sensitivität vorhanden. Die Prüfung von Böden und Gesteinen kann unter Krafteinleitung bis 400 kN weg-, last- oder geschwindigkeitsgesteuert durchgeführt werden. 

Weiterführende Informationen

  • DIN EN ISO 17892-7 (2018): Einaxiale Druckversuche an Bodenproben


  • DIN 18141-1 (2014): Einaxiale Druckfestigkeit von Gesteinsproben 


  • Neufassung der Empfehlung Nr. 1 des Arbeitskreises „Versuchstechnik Fels“ der DGGT: Einaxiale Druckversuche an zylindrischen Gesteinsprüfkörpern (2004)


  • Eurocode 7 (DIN EN 1997-2): Kapitel 5.8 bzw. 5.14 für Festigkeitsprüfungen an Boden bzw. Gestein


  • TP BF-StB Teil B 11.1 (2012) bzw 11.3 (2010): Eignungsprüfung bei Bodenverfestigungen bzw. Bodenverbesserung mit Bindemitteln